Geschichte: Ein unerwartetes Erlebnis

Ich blickte sie an, sah ihre einzelnen Wimpern, sah die kleinen durch die Sonne sichtbaren Härrchen in ihrem Gesicht und beobachtete ihr sanften Lippenbewegungen beim Ein- und Ausatmen.

Sie war einfach wunderschön wie sie so da lag und schlief. Wenn ich es mir generell überlege, war sie generell eins der schönsten Mädchen, die ich je gesehen habe. Ich ertappte mich dabei, wie ich ihr wie automatisch immer näher kam, weil ich sie küssen wollte. Sie zog mich magisch an, das habe ich schon in dem Moment gemerkt, als ich sie vor 2 Jahren auf einer Party kennen lernen durfte. Momentan kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war, dass ich auf diese eigentlich ziemlich langweilige Party gegangen bin, denn wäre ich nicht gegangen, hätte ich sie nicht kennen gelernt.

Ich küsste sie sanft auf die Lippen, weil ich meinem Bedürfnis folgen wollte.

Es fühlte sich so gut an sie zu berühren, sie zu riechen, sie zu schmecken.

Das, was ich eigentlich nicht wollte trat ein, denn sie wachte durch meinen Kuss auf. Als sie die Augen aufschlug, hatte ich das Gefühl, ich wäre ein Vogel, der im Himmel fliegt und über das weite blaue Meer blicken kann.

Sie war einfach bezaubernd und raubte mir in jedem Moment den Atem.

Guten Morgen“ sagte sie leise und noch mit einer etwas rauen Stimme, weshalb sie sich räusperte und fort fuhr „Ich hoffe, du hast so gut geschlafen wie ich“. „Du bist wunderschön, weißt du das eigentlich“ erwiderte ich, was zwar keine Antwort auf ihre Frage war, ich aber nicht anders konnte vor Glück und Freude in diesem Moment. Sie küsste mich und es erinnerte mich an die Nacht, an die Küsse und an vieles mehr.

Es war die schönste Nacht seit langem, mit dem schönsten Mädchen.

Ich wollte jeden Morgen neben ihr aufwachen und jeden Morgen von ihrer Schönheit gefesselt sein, ihren einzigartig wundervollen Duft einatmen und mich einfach nur glücklich schätzen, mit einem so unglaublichen Mädchen zusammen zu sein.

Doch wie ein Schlag ins Gesicht, erinnerte mich mein Handy an die Realität und die realen Probleme, vor welchen ich gerade floh.

Meine Mutter rief an und wollte, dass ich nach Hause komme, wobei das das letzte auf der Welt war, was ich wollte.

Marie wusste das und bevor ich mich zu ihr umdrehte wusste ich, dass ihr wunderschönes Gesicht nun von Sorgenfalten durchzogen war.

Ich konnte meiner Mutter nicht sagen, wo ich die Nacht verbracht hatte und vorallem nicht mit wem.

Der Grund ist ganz einfach, meine Mutter war sehr gläubig und ich war ein Mädchen. Nun versteht ihr sicher mein derzeitiges Dilemma, in welchem ich mich befand.

Ich weiß, dass früher oder später der Zeitpunkt kommen muss, wo ich ihr sage, dass ich lesbisch bin, aber mit jedem Gedanken daran lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Ich belastete mich nicht nur damit, sondern auch meine Freundin. Zum Glück waren ihre Eltern in der Hinsicht total locker und hatten nie etwas gegen mich oder gegen Maries sexuelle Orientierung.

Sie verstanden, dass man sich nicht aussucht, ob man homo oder hetero oder sonst etwas ist, es ist nun einfach die Natur.

Da ich meine Mutter aber nicht gerne warten ließ, was ich aus der Erfahrung gelernt habe, hüpfte ich schnell aus dem Bett und zog meine alte Jeans und meine Bluse von gestern an.

Marie guckte mich mit ihren großen blauen Augen an, ähnlich wie ein Welpe dich anguckt, wenn du vor ihm stehst.

Es zerbrach mir das Herz, dass ich Marie nicht einfch mit nach Hause nehmen durfte und zu meiner Mutter sage, dass das meine feste Freundin ist.

Sie wusste nämlich, dass Marie lesbisch war und dementsprechend den Kontakt zu ihr nicht tolerieren würde. „Richte dich nicht gegen Gott oder die Religion“ hieß es von meiner Mutter immer, aber war sie sich denn nicht darüber bewusst, dass die Religion einem nicht verbieten kann, zu welchem Geschlecht man sich hingezogen fühlt und zu welchem nicht?

Ein erneutes Klingeln meines Handys,meine Mutter, veranlasste mich dazu, mich noch schneller anzuziehen und die Gedanken abzuschütteln, die mich geplagt haben.

Ich verabschidete mich schnell von Marie und zog für ein letztes Mal des heutigen Tages ihren umwerfenden Geruch ein. Sie wollte mich noch zu ihrer Haustür begleiten und hab mir davor einen flüchtigen, aber dennoch liebevollen Kuss.

Plötzlich erschrak sie, riss ihre Augen weit auf, blickte entsetzt und voller Furcht hinter mich und ich sah sämtliche Farbe ihres Gesichtes verschwinden.

Eiskalt lief es mir den Rücken herunter, Mut mich umzudrehen und zu sehen, was sich schreckliches hinter meinem Rücken abspielte, hatte ich kaum.

Hallo Spencer“ hörte ich eine sehr vertraut klingende Stimme hinter mir sagen. Nun verstand ich Maries Reaktion und ich dürfte genauso ausgesehen haben. Meine Beine fühlten sich plötzlich an die Blei und ich hatte das Bedürfniss schnell weg zu laufen und dieser ganzen Situation somit ein Ende zu setzen.

Aber ich tat es nicht. Ich drehte mich langsam um und guckte in die Augen einer sehr bekannten Frau, meiner eigenen Mutter.

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, wie ich reagieren sollte und vorallem wusste ich nicht, was meine eigene Mutter vor der Haustür meiner Freundin machte.

Sie erkannte, was in mir vorging und versuchte die Situation mit den Worten aufzuklären „Du wirst dich wundern, warum ich vor Maries Haustür stehe. Nun, ich wollte soeben klingeln und die Haustür öffnen, allerdings seid ihr mir zuvor gekommen“. Hörte ich da Wut oder Zorn in ihrer Stimme oder was war es? Ich konnte es nicht sagen, alles vermischte sich in diesem Moment.

Ich bin hier, weil ich wusste, dass du bei Marie bist. Woher? Das ist ganz einfach. Ich sehe doch, mit wem du ständig auf deinem Handy schreibst, auch, wenn du dein Handy verdeckst habe ich dennoch genug gesehen. Denkst du ich merke nicht, wie glücklich du immer vor deinem Handy sitzt und am strahlen bist? Denkst du ich höre am Abend dein Lachen nicht, wenn du telefonierst?“ Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, erwartete sie überhaupt darauf eine Antwort? „Spence“, so nannte sie mich nie, wenn wir uns stritten, „ich weiß, dass du und Marie ein Paar seid. Es ist nicht zu übersehen, wie du sie anlächelst, wenn ich dich zur Schule bringe. Hattest du Angst gehabt mir zu sagen, dass du lesbisch bist, weil ich viel Wert auf die Religion lege?“. „Ja“ war alles, was ich als Antwort herausbekam. „Spence, ich liebe dich und du bist meine einzige Tochter. Du kannst mit mir reden, egal worüber, ich werde dir immer zuhören und für dich da sein. Als du gestern Abend gegangen bist wusste ich, dass du bei Marie bist. Ich wollte euch beiden heute Morgen und jetzt in diesem Moment nicht erschrecken, ich wollte dir nur die Last abnehmen, die du trägst und dir zeigen, dass ich deine Sexualität akzeptiere und respektiere, wenn ich mit euch beiden zusammen rede.“ Ich wusste jetzt noch weniger, was ich sagen sollte. Hatte sie gesagt, dass sie mich trotzdem liebt? Dass sie respektiert und akzeptiert, dass ich lesbisch bin?

In diesem Moment fühlte ich mich nicht fähig durch meine Worte meine Gefühle, die Freude und Erleichterung waren, auszudrücken. Diese Aufgabe übernahmen meine Tränen in diesem Moment.

24.2.16 16:38

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